Motivational Interviewing (MI) – Kommunikation auf Augenhöhe

INHALTE/THEMEN

Motivational Interviewing ist ein zugleich klientenzentriertes und direktives Verfahren. Die Klienten werden nicht »überzeugt« oder überredet, sondern vielmehr zu einem so genannten Change Talk – einem lauten Nachdenken über Veränderung – ermutigt (Möchte ich etwas verändern? Traue ich mir das zu? Warum sollte ich vielleicht etwas verändern? etc.). Veränderung soll nicht verordnet, sondern vielmehr in gegenseitigem Einvernehmen – auf Augenhöhe – vereinbart und vorbereitet werden. So wird der Klient zum Fürsprecher einer Veränderung und nicht genötigt, seine »Laster« oder »schlechten Gewohnheiten« zu verteidigen. Wahrgenommene Diskrepanzen zwischen Verhalten und persönlichen Zielen sollen den Anstoß zu einer Verhaltensänderung geben. Das Vorgehen stimmt weitgehend mit den Annahmen sozialpsychologischer Theorien der Verhaltensänderung – insbesondere der Theorie der Selbstbestimmung – überein. So wird beispielsweise angenommen, dass die Autonomie des Klienten gefördert werden muss, um Ambivalenz und damit ein Verharren im Status quo zu überwinden.

Die Ergebnisse zahlreicher Meta-Analysen belegen die Wirksamkeit des Verfahrens. Da auf jegliche Konfrontation verzichtet wird, profitieren insbesondere »unmotivierte« und »schwierige« Klienten von einer Behandlung, die den von Miller und Rollnick (2015) formulierten Prinzipien entspricht: Die Vorbehalte und Einwände der Klientin werden aufgegriffen, unfruchtbare Auseinandersetzungen vermieden und Widerstände minimiert.

Motivational Interviewing wurde zunächst in Abgrenzung zu herkömmlichen – oftmals konfrontativen – Methoden der Behandlung alkoholabhängiger Klienten entwickelt. In den vergangenen Jahren wurde der Anwendungsbereich jedoch zunehmend erweitert. Motivational Interviewing hat sich von einer Methode zur Förderung der Behandlungsmotivation zu einem umfassenden psychotherapeutischen System entwickelt. Es soll andere Verfahren jedoch nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen (»add-on treatment«). Die Konzentration auf Verhalten und seine Veränderung erleichtert die Einbettung in kognitiv-behaviorale Behandlungsprogramme, die Fokussierung auf die Beziehung zwischen Therapeutin und Klient rückt das Verfahren in die Nähe interaktioneller Methoden.

Motivational Interviewing ist in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung klientenzentrierter Psychotherapie – Empathie wird als wesentliche Voraussetzung erfolgreicher Behandlung gesehen und kann daher zu den humanistischen Verfahren gezählt werden. Insbesondere seit der Veröffentlichung der zweiten Auflage von Motivational Interviewing greifen die Autoren mehr und mehr die Ergebnisse psycholinguistischer Studien auf.

Methoden:
Auswertung von Transkripten, Life-und Videodemonstrationen (»Lernen am Modell«), Übungen in kleinen Gruppen (zwei bis drei Teilnehmer), kurze Referate des Dozenten (15 bis 20 Minuten)

Programm:

  • Begriffe, Definitionen, Konzepte (change talk, sustain talk etc.)
  • theoretische Grundlagen und aktueller Stand der Forschung,
  • Aufgaben des Therapeuten (Beziehungsaufbau; Motivation etc.),
  • Gesprächstechniken (Affirmationen, Reflective Listening etc.),
  • Empfehlungen und Ratschläge formulieren,
  • Informationen angemessen dosieren,
  • auf Einwände und Vorbehalte reagieren,
  • Behandlungsmaximen (Akzeptanz, Partnerschaftlichkeit etc.),
  • Arbeitshilfen und Materialien (Agenda Mapping, Value Card Sort etc.),

Allgemeine Informationen

Datum:

Donnerstag 29.04.2021 / 122
Freitag 30.04.2021 / 122

Zeit:

09.00 – 17.00 Uhr

Ort:

Diese Fortbildung werden wir als Online-Seminar anbieten.
Die Zugangsdaten erhalten Sie nach Anmeldung von der Akademie.

Zielgruppe:

Alle Mediziner, Therapeuten, Pflegefachkräfte und Interessierte, die in der Begleitung und Therapie von Patienten eine hohe Compliance erreichen möchten.

Zertifizierung:

Für Pflegekräfte und Ärzte sind Fortbildungspunkte beantragt.

Dozent/in:

Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Ralf Demmel,
Dipl.-Psych. Psychologischer Psychotherapeut (VT); Leitender Therapeut (v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel); seit 1999 Mitglied des Motivational
Interviewing Network of Trainers (MINT); seit 2006 Leiter internationaler Train-the-Trainer-Seminare; Vorstandsvorsitzender des Netzwerks
deutschsprachiger Trainer und Trainerinnen für Motivational Interviewing.

Info:

Rotenburger Akademie, Denise Meyer
T (04261) 77 – 30 30, F (04261) 77 – 30 29
Denise.Meyer@rotenburger-akademie.de

Kosten:

€ 400,00

Zertifizierung:

Für Pflegekräfte und Ärzte sind Fortbildungspunkte beantragt.

Anmeldung

Anmeldungen bitte online unter:
www.rotenburger-akademie.de oder per E-Mail: Denise.Meyer@rotenburger-akademie.de
Bitte Titel, Name, Vorname, Anschrift, Rechnungsadresse und eine Telefonnummer (unter der Sie erreichbar sind) unbedingt mit angeben.

Hier den Flyer zum Download:
Motivational Interviewing (MI) –Motivierende Gesprächsführung-Flyer